Mobbing – ein aussichtsloser Kampf?

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Zusammenfassung: Oftmals wird geraten, dass sich Mobbingopfer wehren. Es sollte sich jedoch die Frage gestellt werden, ob dies wirklich sinnvoll und auf lange Sicht hilfreich ist? Denn letzten Endes hat der Vorgesetzte die Macht. Und wenn der Vorgesetzte seine Macht ausnutzt, wird oftmals der Untergebene der Schwächere sein. Deshalb sollten sich die Betroffenen fragen, was das eigentliche Ziel des Vorgesetzten ist? Will der Chef den Mitarbeiter loswerden, könnte es gesundheitlich sinnvoller für das Mobbingopfers sein, anstatt zu kämpfen – über die Wege und Möglichkeiten des Ausscheidens nachzudenken.

Hintergründe zur Entstehung von Mobbing

Wie kommt es dazu, dass das Thema Mobbing heute so aktuell, brisant und weit verbreitet ist? Schauen wir einmal zurück. Vor gar nicht langer Zeit waren die Menschen aufeinander angewiesen. Der eine Nachbar hatte beispielsweise die Bohrmaschine, die ich gerade benötigte und auch die Großeltern hatten durch ihre Lebenserfahrung Wissen angesammelt, welches den Familienmitgliedern weiter helfen konnte. Heute ist der Lebensstandard der Deutschen so hoch, dass die meisten Bundesbürger die notwendigen Alltagsgüter selber besitzen. Durch das Internet ist eine allseitige Information zu jeder Zeit möglich. Dadurch werden die Individuen autark und sind nicht mehr auf die Gemeinschaft angewiesen. Dies führt dazu, dass viele Menschen sich nicht mehr in die soziale Struktur einzuordnen brauchen. Sie sind vielmals unabhängig lebensfähig und oft nur noch auf sich selbst fokussiert.

Auch im beruflichen Bereich ist diese Entwicklung heute deutlich spürbar. Früher war den Vorgesetzten bewusst, dass sie auf das Wissen und das Engagement der einzelnen Mitarbeiter angewiesen waren. Die Wertschätzung jahrelanger Erfahrung des Mitarbeiters geht heute häufig verloren. Außerdem müssen die Arbeiten oft sehr schnell erledigt werden. Und Mitarbeiter die eher langsam und mit hoher Präzision arbeiten, können diese Anforderungen nur noch unzureichend erfüllen.

Weiterhin glauben manche der Vorgesetzten, dass sie mittels Ausübung ihrer Macht die Mitarbeiter motivieren. Geht es um Machtausübung der Vorgesetzten kommt bei den Betroffenen schnell das Gefühl von Mobbing.

Definition von Mobbing

Stark vereinfacht ausgedrückt, geht es bei Mobbing um länger andauernde Schikanen durch den Vorgesetzten, für die es keinen rechtfertigenden Grund gibt. In diesem Zusammenhang ist es egal, ob diese Anfeindungen in großen Firmen durch Abteilungsleiter und Personalleiter stattfinden oder ob in einer kleinen Firma der Inhaber systematisch aggressiv vorgeht.

Für den Betroffenen ist es unwesentlich, ob der Vorgesetzte beispielsweise die eigene (Lebens-)Unzufriedenheit kompensiert oder ob durch Umstrukturierungen der eigene Arbeitsplatz wegfallen soll. Mobbing ist für den Betroffenen auf Dauer unerträglich, seelisch und körperlich schädigend.

Sich wehren bei Mobbing

Es gibt viele Beratungsstellen und Ansprechpartner die empfehlen, dass sich die Betroffenen wehren sollen. Doch was bedeutet dies im Detail? Soll dies ausdrücken, dass die Mobbingopfer den Kampf mit den Vorgesetzten aufnehmen sollen?

Schauen wir uns dieses Szenario ein wenig näher an. Die Vorgesetzten suchen nach Fehlern oder erfinden diese notfalls sogar. Der Mitarbeiter versucht mit großem Kraftaufwand die Unterstellung zu wider legen. Angenommen, er gewinnt die eine oder andere Auseinandersetzung. Wird dies die Zusammenarbeit mit dem Vorgesetzten verbessern? Angenommen der Betroffene holt sich Unterstützung durch Personalrat / Betriebsrat / Mediator und bekommt sein Recht. Als Folge der Aussprache entschuldigt sich der Vorgesetzte beim Mitarbeiter. Dennoch bleibt die Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies der Vorgesetzte ehrlich meint und sich nicht auf lange Sicht wieder am Mitarbeiter „rächt“? Denn schließlich ist das Ego des Vorgesetzten angegriffen worden. Welcher Chef kann damit umgehen, dass er im Unrecht und der Mitarbeiter im Recht ist?

Kampf gegen Windmühlen

Widrigenfalls wird dies ein langer und Kräfte zehrender Kampf. Und dabei hat der Vorgesetzte stets die Macht. Die Betroffenen werden immer in die Ecke gedrängt und müssen sich wehren. Mit anderen Worten formuliert, oftmals kämpfen die Mobbingopfer einen aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen. Denn der Vorgesetzte hat zumeist die gleiche Zielrichtung – den ungeliebten Mitarbeiter zu quälen oder/und ihn los zu werden.

Einen aussichtslosen Kampf für sich nutzen

Sicherlich kann man dieses Szenario nicht verallgemeinern. Dennoch ist es empfehlenswert diese Betrachtungsweise in den einzelnen Problematiken mit einzubeziehen. Doch was ist in einem solchen Fall sinnvoll? Zuerst einmal sollten sich die Betroffenen fragen, was ist das eigentliche Ziel meines Vorgesetzten für die ständigen Schikanen?

Geht es ausschließlich darum geht, den Mitarbeiter zu quälen, um ihn los zu werden? Dann sollte darüber gesprochen werden, wie das Ausscheiden des Mitarbeiters im Interesse aller Beteiligten möglich ist. Eine sehr effektive Möglichkeit ist das Outplacement beziehungsweise die Außenvermittlung. Das heißt, die Unternehmen stellen finanzielle Mittel bereit, um ausscheidende Mitarbeiter zu unterstützen bei einer Neuorientierung, bis hin zum Abschluss eines neuen Arbeitsvertrages. Einerseits können dies Schulungen, Qualifizierungen und Mitwirkung bei Bewerbungen beinhalten. Aber auch das Thema Abfindung sollte besprochen werden.

Outplacement ist auch für die Firmen von Vorteil. Denn die Vorgehensweise der Vorgesetzten, um Mitarbeiter loszuwerden spricht sich unter den Kollegen herum und wirkt sich sekundär auf das Betriebsklima aus.

Der betroffene Mitarbeiter kann durch das Akzeptieren der Unumkehrbarkeit der Situation und Zusammenarbeit mit dem Vorgesetzten sehr viel Kraft und Energie für einen Neuanfang sparen. Nicht zu vernachlässigen sind die nachhaltigen Schäden durch lang andauerndes Mobbing. Denn gar nicht selten bleiben eine Leistungsminderung, geringere Toleranz und eine erhöhte Empfindlichkeit durch das erlebte Trauma bestehen. Und an dieser Stelle sollte das Mobbingopfer inne halten und sich fragen – Ist dieser Kampf es wirklich wert? Was gewinne ich, was verliere ich?

Veröffentlicht: 6.5.2018

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